|
Pedroni

(Nonantola-Emilia Romagna)
Was
Sie schon immer über Aceto Balsamico wissen wollten......
Wie
viele andere Produkte der italienischen Küche hat der
Aceto Balsamico in den letzten Jahren eine beeindruckende
Karriere gemacht. Man findet ihn heute in fast jedem Supermarkt;
und kein sich italienisch nennendes Restaurant kann es sich
leisten, neben das Döschen mit dem Parmesankäse
nicht auch ein Fläschchen Balsamico auf den Tisch des
Gastes zu stellen. Allerdings: Balsamico ist nicht gleich
Balcamico. Pro Jahr erhalten niemals mehr als zehntausend
Flaschen zu 0,1 Liter das Prüfsiegel des Schutzkonsortiums
Aceto Balsamico Tradizionale di Modena. Woher dann die Unmengen
Balsamico auf den Tischen unserer Restaurants? Wenn man sich
einen Reim auf diese wunderbare Essigvermehrung machen möchte,
muss man wissen, wie Aceto Balsamico produziert wird.
Das Verfahren hat sich seit dem Mittelalter in den Provinzen
Reggio, Bologna und Modena entwickelt. In vielen Familien
existiert bis heute die Tradition, eine Essigbatterie (Erklärung
folgt) von einer Generation auf die nächste weiterzuvererben.
Der Gewichtspreis für echten Balsamico wird allenfalls
noch von dem für weiße Trüffel übertroffen.
Das liegt daran, dass Balsamico sich nicht für die industrielle
Produktion in großem Maßstab eignet.
Die Herstellung von echtem Balsamico ist aufwendig und langwierig.
Ausgangsprodukt ist immer Traubenmost und nicht wie bei anderen
Essigen Wein. Der Most von Trebbiano- oder auch Lambruscotrauben
wird über offenem Feuer langsam in ca. 30 Stunden auf
etwa die Häfte seines ursprünglichen Volumens eingekocht.
Während des Winters erfährt er dann in Glasballons
eine natürliche Klärung, und im Frühjahr tritt
er seinen Weg durch die Aceto-Batterie an. Diese besteht in
der Regel aus fünf bis acht Fäßchen aus verschiedenen
Holzsorten (Eiche, Kastanie, Kirsche, Esche, Maulbeerbaum,
Robinie, Wacholder u.a.) mit abnehmendem Fassungsvermögen.
Sie steht immer auf dem Dachboden, wo sie den jahreszeitlich
wechselnden Temperaturen und der frischen Luft ausgesetzt
ist. Eine genaue Vorschrift über Art, Größe
und Anzahl der Fäßchen gibt es nicht. Die jeweilige
Zusammensetzung einer Acetaia ist sorgsam gehütetes Familiengeheimnis.
Wenn ein Produzent glaubt, daß der Inhalt seines letzten
Fäßchens abfüllungswürdig ist - das ist
bei einer neuangelegten Batterie frühestens nach zwölf
Jahren der Fall - entnimmt er ihm höchstens ein Zehntel
des Inhalts. Dies sind je nach Größe des Fäßchens
ein bis zwei Liter. Dieses Fäßchen wird dann aus
dem nächstgrößeren Faß auf maximal 4/5
wieder aufgefüllt, und diese Prozedur duchlaufen alle
Fässer, so daß schließlich das erste zur
Aufnahme neuen Traubenmostes bereit ist. Durch die langjährige
Lagerung verdunstet der größte Teil der Flüssigkeit.
100 Kilo Trauben ergeben am Ende 2,5 bis 5 Liter Aceto Balsamico
Tradizionale. Ob der Balsamico das Prädikat Tradizionale
erhält, entscheidet eine Prüfungskommission des
Konsortiums, die in der Regel 75 - 80 Prozent aller eingereichten
Proben zurückweist. Die abgelehnten Produkte müssen
dann noch einmal für ein oder zwei Jahre zurück
ins (letzte) Fäßchen. Der Hersteller kann aber
auch, wenn er über mehrere Batterien verfügt, die
Mischung ändern und eine neue Probe einreichen. Oder
aber das abgelehnte Produkt wird als seconda linea zu einem
geringeren Preis verkauft. Kein anderes Erzeugnis mit kontrollierter
Ursprungsbezeichnung (D.O.), wird so sterng überwacht
und geprüft wie der Aceto Balsamico Tradizionale di Modena.
Dagegen kann sich hinter der Bezeichnung Aceto Balsamico oder
Aceto Balsamico di Modena ohne den Zusatz Tradizionale
alles mögliche verbergen. Diese Begriffe sind nicht geschützt,
und di Modena besagt lediglich, daß das
Erzeugnis in der Provinz Modena abgefüllt wurde. Tatsächlich
wäre es ehrlicher, wenn diese Essige als Aceto
dolcificato bezeichnet würden, denn ihren balsamischen
Charakter erhalten sie nicht durch lange Lagerung. Farbe und
Süße verleiht diesen Weinessigen - nur manchmal
enthalten sie einen kleinen Anteil mosto cotto
- die zugesetzte Zuckercouleur. Auch wenn es sich manchmal
um brauchbare oder sogar recht gute Essige handelt, können
sie sich niemals mit dem Geschmacksreichtum eines echten Tradizionale
messen. Und der Verbraucher sollte schon wissen, was er da
eigentlich für sein Geld bekommt.
So gelangte denn auch ein Vergleichstest, den der Tagesspiegel
unter der provokanten Überschrift Das Maggi des
neuzeitlichen Haushalts dokumentierte, zu recht niederschmetternden
Ergebnissen. Getestet wurden Essige, die weniger als 10 Euro
kosten, und die Urteile reichten für die meisten Kandidaten
von stechend alkoholisch über modrig,
brandig, chemisch, Kehle einschnürend
bis zu Abschied von der Zivilisation. Einzig der
von der Enoteca eingereichte Essig der Acetaia Pedroni fand
die ungeteilte Zustimmung der Jury.
Die Familie Pedroni betreibt seit 1862 in der Nähe von
Nonantola in der Provinz Modena eine Osteria samt Acetaia.
Die Osteria ist ein Bollwerk traditioneller emilianischer
Gastlichkeit gegen alle Anfechtungen der Moderne. Aber immerhin
hat man sich, als die Elektrizität Einzug hielt, zur
Anbringung elektrischer Lampen durchringen können. Auch
ein Kühlschrank wurde wenig später angeschafft und,
wie das Design verrät, nie durch einen neuen ersetzt.
Eine Registrierkasse gibt es auch, das verlangt das Gesetz,
und die neueste Errungenschaft ist ein Schrank mit Schließfächern,
in denen die in Italien eigentlich absolut unentbehrlichen
telefonini oder cellulari für die Dauer des Mahles eingeschlossen
werden. Kartenspielen und Corriere dello Sport-Lesen sind
allerdings erlaubt. Eine Speisekarte gibt es nicht. Gegessen
wird, was auf den Tisch kommt. Alles - von denTortellini über
die Tagliatelle, Kaninchen und Huhn in Lambrusco, oder natürlich
mit Aceto Balsamico, bis zum Dessert, dem Wein und den Digestifs
- stammt ausschließlich aus eigener Produktion und ist
nichts für Schwachmägen oder Diätgläubige.
Auch sonst gelten hier ganz eigene Gesetze, die man am besten
bei einem Besuch zu den restriktiven Öffnungszeiten kennenlernt.
(Azienda Agricola Pedroni, Via Risaia 2, Rubbiara di Nonantola
( Mo) - um den Ortsteil Rubbiara zu finden, benötigt
man eine gute Straßenkarte. Wir empfehlen den Atlas
des italienischen Automobilklubs ACI .) Was den Balsamico
betrifft, so produziert man hier neben dem Tradizionale noch
einen Tradizionale Extra Vecchio (mindestens 25 Jahre alt)
und mehrere Versionen eines einfachen Aceto Balsamico di Modena.
Bleibt noch die Frage, wie die verschiedenen Balsamicovarianten
zu verwenden sind. Für die Salatvinaigrette kann man
getrost zu einem einfachen Aceto Balcamico di Modena greifen.
Der Tradizionale sollte eher wie ein hoch konzentriertes
Gewürz verwendet werden. Ein Teelöffel davon (plus
ein Eßlöffel warmes Olivenöl) auf einer Scheibe
Rinderfilet oder Kalbsleber ersetzt gehaltvolle Saucen; ambitioniertere
Köche geben am Ende des Kochvorgangs ein wenig Balsamico
in den Fond von Fleisch oder Geflügelschmorgerichten.
Kulinarische Höhepunkte bilden Gerichte wie Stopfleber
mit Aceto Balsamico oder Taubenbrust mit Schokolade-Balsamicosauce.
|
ACETO
BALSAMICO DI MODENA (WEINESSIG,
MOSTO
COTTO UND ZUCKERCOULEUR) 0,25 L
|
6,00
€ |
ACETO
BALSAMICO DI MODENA (WEINESSIG PLUS
MOSTO COTTO) 0,25 L
|
22,00
€ |
| ACETO
BALSAMICO TRADIZIONALE DI MODENA 0,1 L |
48,00 € |
| ACETO
BALSAMICO TRADIZIONALE DI MODENA EXTAVECCHIO 0,1 L |
88,00
€ |
|