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Der
Tagesspiegel |
Berliner
Morgenpost |
weitere |
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vom 05.08.2007 (PDF)
vom 11.07.2003
vom 02.02.2003
vom 12.09.2003
vom 17.07.2000
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vom 16.06.02
vom 18.03.01
vom 16.03.00
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TAZ vom 7./8.02.2004
FAZ 07.11.2003
Zehn rote Charakterköpfe
FAZ 31.01.2010
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vom 17.07.2000 |
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DIE
WEINE DES MONATS |
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Zwei
Mal weiß, zwei Mal exemplarische Qualiät.
Erstens: Riesling.
Jeder, der diese Rebsorte schätzt, weiß naürlich,
wie er sich gute Abfüllungen beschafft. Doch das wissen auch
unzählige andere Kenner, und so liegt der Preis erstklassiger
Spätlesen inzwischen schon ab Gut bei mindestens 20 Mark. Den
betreffenden Winzern sei es gegönnt; wir lassen uns davon aber
nicht hindern, weiter nach günstigen Angeboten zu suchen. Zum
Beispiel in den Staatsweingütern, von denen es allein in Rheinland-Pfalz
sieben gibt. Sie stehen mit Ausnahme der Bensberger Staatsdomäne
bei Fans nicht hoch im Kurs und werden in den Büchern zum Thema
totgeschwiegen: Zu viel Bürokratie, zu wenig Weinverstand, heißt
das landläufige Urteil. Dass das ein Vorurteil ist, beweist beispielsweise
das staatliche Johannitergut in Mußbach/Pfalz, das älteste
Weingut der Region, das über 20 Hektar erstklassiger Lagen in
der südlichen Mittelhardt verfügt. Eine dieser Lagen ist
der Hainfelder Letten, |
von dem unser Weißwein des Monats stammt, eine klassische pfälzische,
in der Opulenz fast schon elsässisch wirkende Spätlese (12,5
Prozent Alkohol) mit viel Pfirsich- und Apfelfrucht, knackiger Säure
und einem angenehm mineralischen Nachhall. Ein Wein, den man gern
einem der Pfälzer Spitzenerzeuger abkaufen und teuer bezahlen
würde - doch das ist in diesem Fall nicht notwendig. Der 1998er
Hainfelder Letten Riesling Spätlese trocken vom Staatsweingut
mit Johannitergut ist bei der Kaufhof-Galeria am Alexanderplatz für
13,39 DM zu haben.
Zweitens:
ein Prosecco, der auch dann schmeckt, wenn die Sommerabende weiterhin
ausbleiben sollten. Kein Mensch weiß, woher all die Getränke
namens Prosecco wirklich kommen, und dennoch werden sie in italienischen
Restaurants umgesetzt wie verrückt. Manchmal, selten, bieten
sie Genuss auf Champagner-Niveau, manchmal, öfter, schmecken
sie nach eingeschlafenen Füßen. Unser Einkaufsvorschlag
liegt entschieden mehr auf der Champagner-Seite, wenn es sich auch
nur um einen geringer prickelden Prosecco Frizzante handelt, |
der
nicht der Sektsteuer unterliegt und deshalb relativ
günstig angeboten wird. Was nicht mit billig zu verwechseln ist.
Der
Prosecco di Valdobbiadene von Dea-Rivalta kostet 13,80
DM bei der Enoteca Blanck & Weber in der Ludwigkirchstraße
20 in Wilmersdorf - und die ist er wert. Hinter dem nichtssagenden,
nur für den Export genutzten Erzeugernamen verbirgt sich die
höchst renommierte Kellerei Col Vetoraz, deren Önologe und
Mitgesellschafter Loris dall'Acqua als einer der besten Prosecco-Spezialisten
gilt. In der Region "konnte der Kellerei Col Vetoraz diesmal
niemand das Wasser reichen", heißt es im aktuellen Weinführer
Gambero Rosso. Der Frizzante überzeugt durch Cremigkeit und feine
Perlage, weit enfernt von der Laschheit vieler billiger, mit zusätzlicher
Kohlensäure aufgemöbelter Prosecco-Abfüllungen. Hinzu
kommt ein animierendes üppies Bukett mit Anklängen an Blüten
und Haselnüsse und ein sauberes Finale.
Bernd
Matthies |
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16.03.00
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GREGORS
WEIN DER WOCHE |
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Was
für ein exotischer Wein. Wie ein wildes Tier lauert er im Glas
und will herausspringen.
"Ein richtiges Monster", scherzt Weinhändler Werner
Blanck.
Dieser Wein hat etwas unwiderstehlich Animalisches. Dunkles, geheimnisvolles
Rot, schwere Gerüche nach Pflaumen, Beeren, Wildduft - man kann
nicht genug davon in die Nase ziehen.
Der 98er Primitivo di Manduria von Felline ist ein gelungener Wurf
- ideal zu Lamm, Wildschwein oder Hirschragout.
Der Genießer braucht unbedingt ein großes, bauchiges Glas
mit weiter Öffnung. Bei kleinen Gläsern bleibt der Primitivo
eher verhalten.
Auch am Gaumen zeigt sich der Wein als volle, würzige Fruchtbombe,
viel Reife, schwarze Süßkirsche. Trotz seines neuen Jahrgangs
ist der Primitivo erstaunlich trinkbar, der Wein macht im Glas innerhalb
weniger Minuten sensationelle Wandlungen durch, er wird immer weicher
und fruchtbetonter. |
Weinpapst
Parker war beeindruckt und gab dem noch mächtigerem 97er Vorgänger
ansehnliche 87 von 100 möglichen Bewertungspunkten (wine advocate).
Dabei ist der Wein überhaupt nicht plump oder primitiv, wie
es der Name vermuten lässt. Nein, der Apulier aus 100 Prozent
Primitivo-Reben kommt elegant und klassisch daher. Sein Name kommt
von primo und weist auf die sehr frühreife Rebe hin, die zeitig
geerntet werden kann. Die Rebe hat Ähnlichkeiten mit dem kalifornischen
Zinfandel.
Im Italien-Weinführer "Gambero-Rosso" erhält
der Primitivo di Manduria zwei Gläser als "sehr guter"
Wein, der noch fünf bis zehn Jahre im Keller verschwinden kann.
Primitivo di Manduria von der Azienda Felline, 1998, Apulien, 14%vol,
für 17,80 Mark in der
Enoteca (Ludwigkirchstrasse 11 in Wilmersdorf. Telefon: 88 67-99
60). |
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18.03.01
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GREGORS
WEIN DER WOCHE |
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Umbrisches
Rotwein-Wunder
Geheimnisvolles Dunkelrot, eine feine Würze und volle Beerenaromen,
ein Hauch von Erdbeer-Parfum. Ein richtiger Schlummertrunk. Oder ein
Tropfen zum Start in das noch junge Jahr.
Der Vitiano von Falesco vom Weingut der Brüder Renzo und Riccardo
Cotarella hat tatsächlich das Zeug zum Dauerrenner. Die beiden
begnadeten Winzer bauen den Vitiano, der zu gleichen Teilen aus den
Traubensorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Sangiovese komponiert
wurde, für wenige Monate in gebrauchten Barriques aus und verzichten
dabei konsequent auf Filtration und Schönung des Weines.
Das Resultat ist eine wunderbare Mischung aus Wein italienischen und
französischen Charakters.
Das Gut, das schon über der Grenze in der Weinregion Latium liegt,
seine Weinberge aber noch zu der Region Umbrien gehören, gilt
inzwischen als richtiges Kultweingut in Umbrien. |
Weinmacher
Riccardo Cotarella hat übrigens in den 90er Jahren auch in
anderen Weingütern für Innovationen gesorgt und auf diese
Weise mitgeholfen, ein kleines umbrisches Rotwein-Wunder zu schaffen.
Der Vitiano ist ein respektabler Wein für die einfache mediterrane
Küche.
Seit mehreren Jahren löst der Tropfen auch helle Begeisterung
beim amerikanischen Weinkritiker Robert Parker aus, der den Wein
mal eben mit hervorragenden 90 Punkten bewertet hat.
Im Italien-Klassiker Gambero Rosso hat sich der Vitiano mit zwei
Gläsern (von drei möglichen) einen Stammplatz erobert.
Bleibt zu hoffen, dass wir den Vitiano noch lange Zeit für
seinen jetzigen sensationellen Preis bekommen.
Vitiano, Falesco, Umbrien, 1999, 12,5%vol, für 12,80 Mark in
der Enoteca Werna Blanck an der Ludwigkirchstrasse 11 in Wilmersdorf.
Telefon: 88 67-99 60 |
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Die
Top-Ten-Rotweine für den Winter - traditionell erzeugt und
erschwinglich im Preis |
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Noch
nie gab es in Deutschland ein so breites Angebot von Rotweinen aus
vier Kontinenten. Durch den internationalen Rotweinboom exportieren
deutlich mehr Länder große Mengen Rotwein nach Deutschland.
Und hier zu Lande wurde der Anteil der mit Rotweinreben bestockten
Anbaufläche in sechs Jahren fast verdoppelt.
Die Nachfrage übertrifft das Angebot bei weitem - die Preise
für gefragte Weine, aus Spanien oder Australien, sind in die
Höhe geschossen.
Eine
Revolution auf dem Gebiet der Weinbereitung hat die Zahl von soliden
und gut gemachten Rotweinen unter 20 Mark vervielfacht. Zugleich
werden viele Rotweine mit "neuen önologischen Verfahren"
produziert, die in der EU nicht zugelassen sind.
Dazu gehören die Zugabe von Gerbstoff in Pulverform, um die
Weine mächtiger oder weicher erscheinen zu lassen, oder von
"naturidentischen" Fruchtaromen. Man hängt auch Leinensäcke
mit Eichenspänen in den Wein, damit er wirkt wie in Eichenfässern
gereift statt in riesigen Tanks. Diese Praktiken sind in Überseeländern
entwickelt worden, und es gibt in Europa keine Deklerationspflicht
für so produzierte Weine.
Doch nur diese Information würde den Konsumenten die Wahl ermöglichen
zwischen traditionell erzeugten Weinen und jenen "gemachten".
Die einzige Lösung scheint eine vollständige Angabe der
Inhaltsstoffe auf jeder Flasche, die in Deutschland angeboten wird.
Erfreulicherweise
gibt es aber noch genug erschwingliche Rotweine, deren Ehrlichkeit
außer Frage steht. |
Sucht
man nach wirklichem Charakter, wird es schon etwas spärlicher.
Wenn es draußen kalt und ungemütlich wird, wächst
nicht nur mein Rotweindurst, sondert es schwindet auch meine Geduld
gegenüber industriell erzeugten Rotwein-Weicheiern. Hier sind
meine Top-Ten-Rotweine für die ungemütlichen Monate: zehn
Charakterköpfe, die noch dazu exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis
bieten.
1997
Chianti Castello di Farnetella
Heute
ist Chianti so gefragt, dass nur wenige Spitzenproduzenten Weine
unter 20 Mark anbieten.
Doch das Team, das die hervorragenden Felsina-Weine macht, erzeugt
auch diesen herrlich frischen,
mittelschweren Wein, der zum Pastakochen animiert.
Rund
15 Mark
1999
Jumilla Casa Castillo
Vielen
spanischen Rotweinen fehlt eine unverkennbar spanische Persönlichkeit.
Dieses Schnäppchen jedoch zeigt die weiche Süße
von Trauben, die von der südlichen Sonne förmlich gebacken
wurden, und ist doch harmonisch.
Ein Seelentröster für gemütliche Essen an kalten
Abenden.
ca
13 Mark |
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16.06.02
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Ein
Hauch von Pflaume und Vanille |
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| Septentrion,
Bodegas Orvalaiz, 1999, Navarra, 13 % vol |
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Ein
samtiger Cabernet mit herrlichen Aromen nach schwarzer Johannisbeere,
einem Hauch von Pflaume und Vanille, aber auch der Frische einer
reifen, roten Paprika - ein Wein mit heiterer Frucht und Eleganz!
Wer Lust bekommen hat, sollte sich um den Septentrion bemühen. Der
moderne Cabernet Sauvignon kommt aus dem Navarra, dem Anbaugebiet
im Norden Spaniens, direkt neben dem Rioja.
Genauer gesagt aus dem nördlichsten Teil des Navarra. Sein Name
bedeutet «nördlich gelegen» und spielt damit im übertragenen Sinne
auf den Polarstern an. Die Weinberge liegen südlich von Pamplona
und damit im kühlsten Teil des Navarra. Dadurch fallen die Weine
eleganter aus als in den heißen Regionen Zentralspaniens.
Die
Weinmacher der Bodegas Orvalaiz achten auf bestes, reifes Lesegut.
Der Septentrion wird außerdem nur in sehr guten Jahrgängen hergestellt
und reift 14 Monate in neuen Barriques aus amerikanischer Eiche.
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Der
Wein wird nicht gefiltert - so bleibt seine Farbe dunkler, und er
ist mit mehr Aromen ausgestattet.
1999
war als Jahrgang besonders gut, der Septentrion besteht in diesem
Jahr ausschließlich aus Cabernet Sauvignon. Der 2000er - ein Rekordjahr
in allen guten Anbaugebieten Spaniens - hat einen Schuss Tempranillo
mit bekommen, was seine Frucht noch mehr betont.
Wer
den Septentrion probiert, bekommt Lust auf Tapas, auf Wild, natürlich
auf die Eintöpfe der Region Navarra - den Calderetes und auf den
typischen Schmorbraten aus Stierfleisch.
Die
Genossenschaft Orvalaiz gilt als «Entdeckung des Jahres» im Navarra
und wurde 1993 ins Leben gerufen. Die 80 Mitglieder bewirtschaften
400 Hektar und produzieren 100 000 Kisten Wein.
Septentrion, Bodegas Orvalaiz, 1999, Navarra, 13 % vol, 8,40 EUR
in der Enoteca Werner Blanck, Ludwigkirchstraße 11, Tel: 88 67 99
60. |
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vom 12.09.2003 |
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MANUFAKTUR
BESIEGT TELEFONDÜSEN |
| Schwierige
Suche nach Aroma: Unsere Probierrunde kostet Spaghetti aus dem Berliner
Handel |
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Hätte
es sie schon zu Beginn unserer Zeitrechnung gegeben, dann wäre
es nicht ganz unwahrscheinlich, dass Jesus Christus seinen Gleichnissen
mit Brot und Fisch eines mit Spaghetti hinzugefügt hätte.
In der Tat bieten sie sich dazu an. Wie die Menschen bilden sie
eine Masse und bleiben darin doch als einzelne erkennbar. Überdies
erinnert uns der vom itlaienischen Wort spago, Schnur,
abgeleitete Name daran, dass das Leben nur an einem Faden hängt.
Diesseits
des Metaphorischen werden Spaghetti ohne Gedanken oft mehr vertilgt
als verspeist und sind die mit Abstand beliebtesten Nudeln. Zum
Werk der italienischen Einigung haben sie vielleicht mehr beigetragen
als mancher Politiker und viele lokale Nudelsorten in die Bedeutungslosigkeit
abgedrängt. Ursprünglich besaßen Neapel und Genua
das Privileg ihrer Herstellung. Heute wetteifern zahllose Hersteller
auf der ganzen Welt um Kunden. Spaghetti werden üblicherweise
aus zumeist amerikanischem, selten aus süditalienischem Hartweizengries
(semola di grano duro), der mehr Kleber besitzt als herkömmlicher
weicher Weizen, ohne Zusatz von Eiern hergestellt.
Sie
gehören inzwischen zu den klassischen Industrieerzeugnissen,
deren Herstellung mittels teflonbeschichteter Spritzdüsen sich
weit von der ursprünglichen Manufakturfertigung mit ihren Bronzedüsen
und dem gemächlichen Arbeitstempo entfernt hat. Es existieren
allerdings immer noch Betriebe, die alte Maschinen und Methoden
einsetzen, wie vor hundert Jahren. Zur traditionellen Produktion
gehört auch eine über Tage sich hinstreckende Trocknung
bei mäßiger Temperatur. Die wenigen hierzulande erhältlichen
Manufaktur-Spaghetti, erkennbar an ihrer rauhen, porösen Oberfläche,
gehörten denn auch zu den Favoriten unseres Tests.
Die
monatliche Tafelrunde fand sich diesmal im Ristorante Ana
e Bruno ein, dessen Küchencrew um Prinzipal Bruno Pellegrino
und Chefkoch Andrea Girau die Pasta verkosten half. Als Experten
mit von der Partie waren außerdem Carsten Rosener vom Epoquein
der Knesebeckstraße sowie Pino Bianco von der Schöneberger
Trattoria á Muntagnola, die ihre Pasta prinzipiell
selber anfertigt.Um die Qualität des Nudelteigs angemessen
beurteilen zu können, wurden alle Probanden -wie bei professionellen
Prüfungen in Italien üblich- exakt 13 Minuten lang in
ungesalzenem Wasser gekocht und mussten anschließend für
exakt neun Minuten auf einem Teller ruhen.
Bereits
der Anblick ihrer Häufung sowie der mit dem Dampf aufsteigende
Duft enthüllen erstaunliche Unterschiede. Die in einem ersten
Durchgang verglichenen Billigsorten eint allerdings ein merkwürdiger
Geruch nach Pappe. Wie feuchter Karton roch gar die Marke combino
von Lidl, die im Geschmack nur minimal davon abwich. Die Spaghetti
von 3 Glocken waren völlig aufgequollen, klebten
natürlich entsprechend aneinander und hinterließen auf
den Lippen einen seifigen Film. Ebenfalls fahl und klebrig erschien
die Pasta vonRiesa Schlemmer-Liebling, die anfänglich
noch ganz passabel roch, jedoch im Aroma mehr an Verpackung erinnert
als an Getreide. BioBio vom Discounter plus wurde seinem
vermeintlichen Vorsprung durch Verwendung von Mehl aus kontrolliert
biologischem Landbau nicht gerecht. Je zwei der rasch ausgelaugten
Nudeln klebten parallel aneinander und gaben dem mit einem Schleimfilm
überzogenen Gehäuf einen geradezu komischen Zug, der dann
vom Aroma zurückgenommen wurde: Es gab keins. Gänzlich
undiskutabel wie eine Suppeneinlage in der Mensa war die Pasta von
MaisonStrauss. Als Überraschung in diesem umkämpften
Segment erwies sich die bei Edeka gekaufte Sorte Gut &
Günstig. Sie verliert im Wasser zwar vollständig
ihre goldgelbe Farbe, besitzt dafür einen elastischen Teig
sowie einen recht reinen, typischenGeschmack, der allerdings immer
noch an Trockenware erinnert.
Auch
bei den großen Markenartikeln treten irritierende Momente
auf. So entströmte den rasch weich gewordenen Barilla
eine eigentümliche Aura, die von der Runde auf Kernseife, Papier
und Hefe eingegrenzt wurde.
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Vom Geschmack her kommt dann nichts mehr rüber,
meinte Carsten Rosener und konnte beim Konkurrenzprodukt Buitoni
nur fest stellen, dass sie ihm vorkämen, als hätten sie
schon mindestens einen Tag im Kühlschrank zugebracht.Interessant
ist allerdings ihre Konsistenz: außen so gequollen, dass die
Kontur verschwimmt, und innen versehen mit harter Litze. Die aus
dem Centro Italia stammenden Spaghetti von Voiello
wirken im Biss dagegen nicht wie ein Telefonkabel, sondern bilden
ein geschlossenes Ganzes, das im Geschmack durchaus angenehm ist,
aber flach und kurz bleibt. Mit leichtem Röstaroma warteten
die Gourmonde Schwyzer Nüdeli aus dem Kaufhaus
Wertheim auf. Ausgerechnet hier glaubten die Tester, nahezu die
ganzen Usancen der Massenherstellung dingfest machen zu können.Wie
gummiertes Wasser stieß dann die Marke Divella
in die Runde, bevor die berühmte von DeCecco mit
vollkommener Neutralität enttäuschte. Aber ihre verblüffende
Resistenz selbst bei längerer Garzeit sichert ihr die Zuneigung
der Gastronomie, die sie nach Belieben vorkochen und vor dem Servieren
nur kurz ins heiße Bad zu werfen braucht - das Ergebnis geht
immernoch als al dente durch oder á la dente, wie man im
Ostteil unserer Stadt sagt. Ein wenig nach Teignaschen beim Kuchenbacken
schmecken die bei Bruhn geführten Spaghetti vom DiMartino.Sie
besitzen eine schöne Textur, fallen locker und äußern
noch nach Minuten einen vollen, fast fleischigen Korn-Geruch. Wie
alle ordentlichen Hartweizengrieß-Sorten vertragen sie sich
übrigens besser mit Saucen auf Olivenölbasis, als mit
Buttersaucen.
Bei
den traditionell gefertigten Mehlspeispräserven gab es zunächst
einen Schreck zu verdauen. Burk`s Fränkische Öko-Nudeln
mit Bioland-Siegel aus der Fleischerei vor dem St.-Michaels-Heim
bildeten einen unansehnlichen schwammigen Haufen auf dem Porzellan
, der aufdringlich nach verkochtem Nudelwasser roch. Mit der Erkenntnis,
dass die Stärken oberfränkischer Lebensmittel woanders,
wandte man sich rasch ab und den Teigfäden der Azienda
Agraria Latini aus den Galeries Lafayette zu. Leider erwiesen
sie sich als stumpf auf der Zunge, als ob Bicarbonat in die Rezeptur
Eingang gefunden hätte, und verströmten einen seltsam
animalischen Schmorgeruch, der sich auch von Giraus köstlicher
Tomatensauce nicht ganz besiegen ließ.
Im
Ringen um die Ränge verblieben schließlich noch drei
Marken, von denen die in feierliches Cellophan gehüllte Coco
aus dem KaDeWe den allerschönsten Anblick des in sich Geringelten
und Gesträhnten bot. Die Vorstellung, die ihr voller Duft gleich
hervorruft, geht in Richtung Gras und unreifes Kornfeld, nur ein
harter Kern, sowie ein leichtes Trockenhefe-Aroma
hinderten sie am Sieg. Den machten dann die Spaghettoni von Giovanni
Perna aus Loreto, die von der Feinkosthandlung Piacenza
überraschend preiswert angeboten werden, und die mehr als doppelt
so teuren Martelli aus der Enoteca Blanck
unter sich aus. während zartgelb wie rohe Kartoffeln aussehende
Perna kräftig Volumen gewinnen, ohne die gewünschte Konsistenz
zu verlieren und ein intensiv-frisches Weizenbrot-Aroma zum Ausdruck
bringen, lassen sich in Martelli wiesig-grasige Töne ausmachen,
andererseitsauch die dezente Eiweißnote von hausgemachten
Spätzle. Beide schmiegen sich gut an die Gabel an (wo vielleicht
Perna sich noch einen Tick zu störrisch gibt) und nehmen mit
ihrer durchlässigen Oberfläche viel Sugo mit. Er erst
führte die Entscheidung herbei, die denkbar knapp für
Martelli ausfiel - und es war dann auch nur deren Duft nach überreifem
Heu, der so wunderbar zur Tomate passt. Bei den insgesamt enormen
Qualitätsunterschieden wäre es möglicherweise doch
die klügere Entscheidung, nudelige Gleichnisse zu unterlassen:
Man wüsste ja nicht, welche gemeint sind.
Thomas
Platt
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vom 02.02.2003 |
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DAS
RUCOLAPRSTO |
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Das
ist mal was anderes als das übliche Pesto mit Basilikum - aber
keine Angst, es ist genauso simpel. Einfach Rucola waschen und kleinschneiden
- vier Bündchen, so etwa 200 Gramm. Und 150 Milliliter Olivenöl
dazu. Dann brauchen wir noch 50 Gramm Pinienkerne und ebenso viel
Pecorino, das ist Schafskäse; er sollte die Härte eines
Parmesan haben. Nun: Alles in den Mixer, gut durchrühren, ein
bisschen Salz und Pfeffer dazu, wer`s mag auch Knoblauch. Diese
Mischung muss man nur noch mit ein bisschen Nudelwasser vermischen,
die bissfesten Nudeln abgießen und das Pesto unter die heiße
Pasta rühren, fertig!
Renzo Pasolini ist Chefkoch im via Condotti in Berlin
Die
Nudeln dazu
Wenn das Auge wirklich mitisst ,wie man sagt, dann macht ihm schon
die Packung der Martelli-Nudeln richtig Appetit. Diese Gelb! Zitronengelb?
Auf alle Fälle: Gute-Laune-Gelb! Und dann erst die Pasta. Das
weiß auch der berühmte Kommissar Brunetti aus Venedig.
Diese von Donna Leon erfundene Figur isst gerne gut. In seinem dritten
Fall, Veneziansiche Scharade. kocht seine Frau Paola
eine wenig zeitaufwändige Soße aus frischem Thunfisch,
Tomaten und Paprika. Und? Und dazu die dicken Martelli-Spaghetti,
die er so mochte. Was heißt denn das nun wieder: dicke
Spaghetti? Nun, die von Martelli sind einfach dicker als die üblichen,
und sie gehen beim Kochen auch viel mehr auf als andere Pasta. Was
wir als Spaghetti kennen, das verkaufen die Martellis als Spaghettini.
Kompliziert? Überhaupt nicht. |
Denn
von Martelli gibt es nicht wie von vielen Firmen eine unüberschaubare
Menge an unterschiedlichen Sorten, da genügen Klassiker: Spaghetti,
Spaghettini, Penne, Maccheroni (die sind allerdings nicht lang,
sondern daumendicke Röhren).
Anders geht das nicht. Martelli ist seit 1926 ein Familienbetrieb,
der sich auf handwerkliche Produktion verlegt hat. Da wäre
ein großes Sortiment gar nicht zu schaffen. Was Kommisar Brunetti
wohl so sehr daran mag? Vielleicht die rauhe Oberfläche der
Nudeln; die Soße bleibt besonders gut daran haften: Vielleicht
den guten Hartweizen aus Kanada, der verwandelt wird. Vielleicht
auch die Konsitenz, die auch mit dem langsamen Trocknen zu tun hat.
Bei Martelli wird nicht in täglichen Tonnen gerechnet, sondern
in Kilo. Es kann schon sein, dass die Familie mal nicht liefern
kann, weil die Witterung schlecht ist und die Pasta nicht trocknet.
In dem kleinen Bergdörfchen Lari in der Nähe von Pisa.
Beim Besuch vor einem Dutzend Jahren stand noch ein handgemaltes
Schild am Haus: Wir exprotieren nach New York und Braunschweig;
gegenüber hatte die KP ihr Parteibüro. Das mag anders
geworden sein, die Klasse der Pasta aber ist geblieben. Fragen sie
Commisario Brunetti.
Pasta von Martelli verkauft die Enoteca, Ludwigkirchstr. 11 in Wilmersdorf.
Tel: 88 67 99 60.
Ein Kilo kostet 4 Euro 50.
Norbert
Thomma |
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11.07.2003 |
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DAS
MAGGI DES NEUZEITLICHEN HAUSHALTS |
| Industriell
erzeugter Aceto Balsamico Hat sich in den Supermärkten durchgesetzt:
Unsere Probierrunde fand sehr unterschiedliche Qualität |
|
Das
Maggi des neuzeitlichen Haushalts
Industriell erzeugter Aceto Balsamico Hat sich in den Supermärkten
durchgesetzt: Unsere Probierrunde fand sehr unterschiedliche Qualität
Dies ist ein Beispiel dafür, wie jemand versucht, ein
Werk der Literatur durch Hinzufügung zeitgenössischen
Materials zu modernisieren - und damit das glatte Gegenteil erreicht.
Das Diktum eines Rezensenten gilt zwar dem 1973 herausgekommenem
Familienfilm Das Fliegende Klassenzimmer, aber die darin
skizzierte Geheimformel der künstlichen Alterung müssten
die Essigbrauer zu Modena und überall auf der Welt eigentlich
sehnlichst herbeiwünschen, denn ihre braunen, dickflüssigen
Erzeugnisse für den Massenmarkt schließen immer noch
nicht zu traditionell gefertigten Balsamicos auf.
Deren Geheimnis ruht in Fässern aus verschiedenen Hölzern,
in denen erst nach Jahrzehnten das unvergleichliche Aroma gewachsen
ist. Leider können sich nur Snobs diese Essenz für den
alltäglichen Gebrauch in der Küche leisten. Die monatliche
Testrunde hatte sich deshalb als Aufgabe gestellt, seine industriellen
Abkömmlinge ausführlich zu beleuchten - nicht zuletzt
auch deshalb, weil sie im Begriff sind, zum Maggi des neuzeitlichen
Haushalt zu werden. Die Auswahl bewegte sich innerhalb der Preisspanne
von 1,59 bis 6,90 Euro und verzichtete dabei auf große deutsche
Marken ohne erkennbare Balsamico-Kompetenz.
Während der authentische Aceto balsamico traditionale
di Modena aus dem eingedickten Most der weißen Trebbianotraube,
die auf den Hügeln des emilianischen Apenin wächst, gewonnen
wird, erzeugt man die Imitation heute stets auf Wein- oder Branntweinessigbasis,
die nur noch gesüßt, gefärbt, aromatisiert und stabilisiert
werden braucht. Gerade bei industriellen Produkten, die auf den
ersten Blick kaum zu unterscheiden sind, kommt es auf die Jury in
besonderem Maße an. Diesmal wurde sie nicht nur um den Gastgeber
und Chefkoch Drew Deckmann vom Hotel Four Seasons erweitert, sondern
auch um die Gastronomin Sarah Wiener sowie ihre italienischen Kollegen
Cosimo und Pino Bianco, die mit ihren Trattorien auf einschlägige
Erfahrungen verweisen können.Das hohe Haus am Gendarmenmarkt
musste zwischenzeitlich nahezu alle Schnapsgläschen aus der
Bar abziehen, um die knapp zwanzig verschiedenen Proben jedem Tester
neutral zu präsentieren.Mit dem ersten Schluck wussten die
Beteiligten endgültig, dass es diesmal kein Zuckerschlecken
werden würde, obwohl der stechende, nach Branntwein riechende
Romina 3 von Lindenberg eine süße Seite hat,
die ganz für sich steht. Ebenfalls in die Kategorie der ollen
Kamellen aus fortschrittlichster Produktion gehören die bei
Kaisers angebotenen Sorten: Der Rossini wurde schlicht
als modrig bezeichnet, im Corte D`Este bekriegte eine
brandige Säure einen deutlich chemischen Geschmack in der Nähe
von Aceton, und die unecht-parfümierte Art von Mazzetti
veranlasste einen Juror gar zu dem Gelöbnis, nie wieder einen
Essig unter 10 Euro zu kaufen. Synthetisch, wie bei einem Allzweckreiniger
scheinen die Aromen im Antica modena vom türkischen
Einzelhändler Euro Gida konstruiert - heftige Süße
und markante Fruchttöne zwar, ihre Herkunft jedoch bleibt fraglich.
Kein Puzzle aus dem Labor hingegen mag der Il Torrone Ducale
Carandini/Castelnuovo von Satis sein. Er wirkt zunächst
angenehm ungepanscht. Dieser Eindruck wird dann von einem die Kehle
geradezu einschnürenden Abgang ruiniert.
|
Aber
nicht erst beim Abschied kann einem das Thema gründlich vergällt
werden. Das trifft auf den Estensis Nobilitas von der
Salumeria da Pino e Enzo zu, bei dem die Runde eher Sole und Senf
wahrnahm, als Frucht und Holz, und in noch viel größerem
Maße auf den einzelnen Vertreter von der iberischen Halbinsel.
Den Vinagre Solera Balsámico Perez Barquero aus
Montilla, der in der Halle von Mitte Meer mit misstrauisch machender
Herablassung an den Mann gebracht wird, kann man auch als Abschied
von der Zivilisation auffassen. Nach den ersten Schrecksekunden
schaffte Drew Deckmann einen gereiften Vinaigre de Jerez
herbei, um wenigstens die Ehre Spaniens zu retten. Als Gärungsessig
aus Traubenmost M.A. in S.r.l. Vignola deklariert Reichelt
seine Preisgünstige Eigenmarke und kennzeichnet mit dieser
Sicherheit auch den Produkttyp. Er verläuft von etwas unangenehmer
Süße rasch zu einer frischen Säure, die von natürlich
erscheinendem Holz eingerahmt wird.
Ein gerader Holzton - und nicht nur etwas, das nach Holz schmecken
soll - ist auch die Gemeinsamkeit der letztlich für die anspruchsvolle
Küche überhaupt erst in Frage kommenden Probanden. Der
Rustichella abruzzo 6 von Viniculture erweitert seine
harzigen Noten noch um Nuss und erinnert darum an den in Italien
beliebten Nocino-Likör, mit dem er auch den leicht medizinalen
Nachgeschmack teilt. Gefälliger und voller gibt sich der Sirup
um Pasta-Paten DeCeccho (bei Pino e Enzo). Seine von
der Säure isolierte Frucht (Pflaume?) hätte man sich als
Kind gerne aufs Brot gestrichen. Ein merkwürdiger Nachgeschmack
allerdings beschädigt diese Illusion gleich wieder.
Beinahe hätte die Entscheidung um die Spitze der Tafelrunde
entzweit. Den einen hatten es der kräftige Körper und
die gleichfalls kräftige Säure zusammen mit einem eleganten
Harzton von Monari Federzoni aus der Wertheim-Linie
Exzellent angetan, die anderen wiesen unverdrossen auf
sein doch wohl übertriebenes Karamel hin, konzedierten bereitwillig
seine Eignung als Aperitiv-Essig und favorisierten schließlich
den ruhigen und sauberen Romina 6 aus der Weinhandlung
Bruhn, weil er den empfindlichen Zichoriengeschmack des Salats unterstützt.
Am Ende einigte man sich wegen des deutlich geringeren Preises auf
Romina. Die Auseinandersetzung wäre ganz unnötig gewesen
wenn die Jury zu diesem Zeitpunkt den Balsamico der Acetaia
Pedroni dal 1862 gekannt hätte. Erst bei der Nachverkostung
erwies sich der frisch eingetroffene Kandidat der Enoteca am Winterfeldplatz
wegen seiner weichen Manier, die ein wunderbares Traubenaroma mit
nicht zu lebendiger Säure wie selbstverständlich vereinigt,
als das, was die Runde zuvor nur erhofft hatte: als Balsam für
die Kehle - und gleichermaßen geeignet für die Verfeinerung
von Salat und Sauce.
Am Ende der Verkostungs-Prozedur fühlte sich die Jury fast
schon wie ein fliegendes Klassenzimmer und wäre am liebsten
in die Ferne geflohen. Mit einem Pauker als Reiseleiter, wie es
seinerzeit der Hauptdarsteller Joachim Fuchsberger in seiner Rolle
gewesen ist, wäre sie dem künstlichen Barrique-Effekt
allerdings nicht entkommen.nzt
wurde.
Thomas
Platt |
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ENTDECKER
GESUCHT VON STUART PIGOTT |
| Eigentlich
müßten echte Rotwein-Schäppchen zwölf Jahre nach
Beginn des weltumspannenden Rotweinbooms längst vergriffen sein.
Dieser Wein ist für zehn Euro geradezu spektakulär. |
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Eine
der häufigsten Fragen, die einem Weinkritiker gestellt werden,
lautet: Wie machen Sie Ihre Entdeckungen? Auf diese
Weise versuchen Weintrinker, die Recherche-Methoden des Kritikers
zu erkunden. Nur allzuoft bestehen diese Anrufe bei jenen Produzenten
oder ihren deutschen Importeuren, über die in Weinführern
und - zeitschriften berichtet wurde, sowie deim Bestellen kostenloser
Pobeflaschen. Das bedeutet nicht nur, daß der größte
Teil der Recherche am Küchentisch des Kritikers stattfindet,
sondern auch, daß die meisten
Entdeckungen einfach von Kollegen geklaut werden.
Wäre Castillo de Monsema aus dem Herkunfstgebiet Somontano
in Aragon zum Beispiel in spanischen Weinführern beschrieben,
die nicht ins Deutsche übersetzt wurden, dann wäre es
ein leichtes, diesen Produzenten von Rotweinen aus der Rebsorte
Cabernet Sauvignon als eine waschechte Stuart-Pigott-Entdeckung
zu verkaufen.
Tatsächlich aber wird das Weingut in der spanischen Weinliteratur
überhupt nicht erwähnt und wurde eigentlich von dem Berliner
Weinhändler Werner Blanck entdeckt. Genau das sollte auch zu
den Aufgaben von selbständigen Weinhändlern gehören,
doch wie die Weinkrititker sind auch die Händler manchmal faul
und träge. Für sie erschöpft sich die Recherche oft
darin, jene Dinge zu verkosten, die Importeure und Winzer in ihre
Richtung schieben, um so die Spreu vom Weizen zu trennen. |
Wenn
man den 1999er Crianza vom Castillo de Monesma verkostet
(10Euro bei Enoteca Werner Blanck, Telefon 030/ 88 67 99 60), fragt
man sich, wie viele tolle Weine wir aufgrund dieses epidemieartig
verbreiteten Mangels an Initiative verpassen. Theoretisch sollten
echte Rotwein-Schnäppchen zwölf Jahre nach Beginn des
weltumspannenden Rotweinbooms längst vergriffen sein. Dieser
Wein aber zeigt eine für seine Preiskategorie spektakulär
geschliffene Brombeer- und Schwarze-Johannisbeer-Furcht und hat
dazu wirklich Kraft. Außerdem ist er weder übermächtig,
klotzig oder gräßlich überholtz wie so viele spanische
Rotweine, die zu Preisen zwischen zwanzig und fünfzig Euro
gehandelt werden. Man könnte ihn leicht für einen kalifornischen
Cabernet Sauvignon dieser Preiskategorie halten, obgleich er im
direkten Vergleich etwas straffer und herber im Abgang schmecken
würde.
Das besondere Gespür des Weinhändler-Autodidakten Blanck
für wirkliche Entdeckungen bestätigt sich druch einen
weiteren guten Rotwein, den 2002er Torre dei Beati (7,60
Euro), einen Montepulciano d A`bruzzo von außergewöhnlicher
Dichte und viel Audruck im Vergleich mit zwar wuchtigen, jedoch
stumpf schmeckenden Weinen, die üblicherweise unter dieser
Bezeichung angeboten werden. Der berühmte italienische Weinführer
Gambero Rosso erwähnt ihn nicht - was seinem Erfolg kaum schaden
dürfte
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ROT |
| 2001er
Mas Collet, Gensossenschat Celler de Capcanes, Region Monsant, Spanischen,
8,60 Euro ab Enoteca Blanck & Weber, Berlin |
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In
einem einsamen Bergtal im Hinterland Tarragonas liegt das Nest Capcanes
mit vierhundert Einwohnern. Achtzig Winzer liefern ihre Trauben
an die Cooperatiu, die Jahr fur Jahr erstaunliche Weine produziert.
Tief in den bergen hat sich die kleine Genossenschaft einem ambitionierten
und durchaus modernen Weinbau verschrieben. Die Weine, die hier
produziert werden, sind fruchtbetont mit dezentem Holzeinsatz, ohne
oxidative Stilistik.
Schon der 2000er Mas Collet hat machtig imponiert, sein Nachfolger
zeigt ahnliche Tugenden. Granatrot steht er im glas und duftet zunachst
nach Kirsche, Vanille und Eiche. Mit etwas Luft wird er sofort komplexer:
Auch schwarze Beeren sind jetzt zu schnuppern, Lakritz und Holznoten.
die Attacke im Mund ist dicht und seidig, die Tannine sind samtig.
Trotz seiner beeindruckenden Power zeigt auch dieser Jahrgang deutlich
Eleganz. Mit einem langen Abgang verabschiedet sich der feurige
Rotspon.
Der Mas Collet wird aus den drei spanischen Rebsorten Garnacha,
Carinena, Tempranillo und einem Schusschen Cabernet Sauvignon komponiert.
Nicht wenige spanische Weinkenner zahlen ihn zu den preiswurdigsten
Entdeckungen der letzten Jahre. Topqualitat, die mit etwas Lagerung
noch zulegt. Dekantieren!
Speisen:
Passt bestens zu Schinken und Salami.
Bezug: Der Sechserkarton kostet frei Haus inklusive Porto und Verpackung
55 Euro, der Zwolferkarton 105 Euro bei Enoteca Blanck & Weber,
Ludwigkirchstraße 11, 10719 Berlin, Fax (030) 88679961, Fon
(030) 88679960, E-Mail: mail@enoteca-blanck.de |
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REINER WEIN
Lava im Glas |
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Sizilien war lange eines der Schlusslichter im italienischen Weinbau, steht aber inzwischen qualitativ und vom Renommee her mit an der Spitze. Obwohl auch manche kleine Betriebe beim Aufschwung eine Rolle gespielt haben, waren die maßgeblichen Kräfte vor allem große Weingüter. Cusumano in Partinico ist ein gutes Beispiel für diese Kombination (etwa 450 Hektar Rebfläche bei einer Jahresproduktion von 2,5 Millionen und Dynamik. Der unglaublich farbintensive und nach Datteln und Bitterschokolade duftende, üppige und geschmeidige 2006er „Noà“ (24,80 Euro be Garibaldi, Telefon 0 89/35 63 61 16) zeigt, was solch ein Betrieb leisten kann, wenn er sich mit der Erzeugung moderner Spitzenrotweine widmet.
Wie bei so vielen neuen sizilianischen Rotweinen handelt es sich um eine Cuvée aus der autochthonen Traubensorte „Nero d`Avola“ und französischen Importen, in diesem Fall Cabernet Sauvignon und Merlot. Reinsortiger Nero d`Avola kann spektakulär ausfallen wie beim 2006er „HArmonium“ vom 200 Hektar großen Weingut Firriato in Paceco (22,80 Euro, Bezugsquellen über Abayan, Telefon 040/ 4 80 03 50), der neben Harmonien und geschliffenem Finale dank starker Brombeer- und Preiselbeeraromen eine erstaunliche Frische für 15 Prozent Alkoholgehalt sowie reichlich Gerbstoff besitzt.
Das basiert auf sehr geschickter Kellerwirtschaft und erinnert durchaus an kalifornische Spitzenweine im dreistelligen Euro-Bereich.
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Wie groß die stilistische Bandbreite beim Nero d`Avola ist, zeigt der großzügige, fleischige und nach Dörrpflaumen duftende 2005er „Nerobaronj“ vom Weingut Gulfi in Chiaramonte Gulfi (28,90 Euro bei Garibaldi, Telefon 089/ 3 59 02 22), der auch nicht schwer oder übermäßig süßlich wirkt, was in solchen Breitengraden nur allzu leicht passieren kann. Noch kleiner als der 75 Hektar umfassende Betrieb von Gulfi ist das Weingut Benanti in Viagrande am Ätna mit 44 Hektar. Sein roter Spitzenwein ist der aromatisch sehr vielschichtige (Zitronat, Kräuter und Mineralien) und geschmacklich zugleich konzentrierte und deutlich herbe 2004er „Serra della Contessa“ (28,95 Euro bei Centro Italia, Telefon 030/ 3 02 17 28).
Aus den gleichen autochthonen Trauben, Nerello Mascalese und Nerello Cappucio, erzeugt Benanti auch den hervorragenden „einfachen“ 2006er Rotwein „Rosso di Verzella“ (10,45 Euro bei Centro Italia), der im Duft fast an Kräuterlikör erinnert. Mit seiner Balance zwischensüdlicher Reife und einer ordentlichen Menge an herbem Gerbstoff ist es der optimale Wein beispielsweise zu Salami.
Noch urtümlicher wirkt der 2007er „Hierà“ (15 Euro bei der Enoteca Blanck & Weber, Telefon 030/ 88 67 99 60) von Carlo Hauner Jr., ein kräftiger, enorm würziger und mineralischer Rotwein von den Liparischen Inseln Salina und Vulcano. Man könnte sich durchaus einbilden, die Lava im Glas zu schmecken. |
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